{"id":3655,"date":"2022-08-12T11:53:06","date_gmt":"2022-08-12T09:53:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/?p=3655"},"modified":"2022-08-24T18:37:57","modified_gmt":"2022-08-24T16:37:57","slug":"eroffnungsrede-von-richard-straub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/eroffnungsrede-von-richard-straub\/","title":{"rendered":"Er\u00f6ffnungsrede von Richard Straub"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"538\" src=\"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-content\/uploads\/Eroeffnungsrede_RS_1200x630px-1024x538.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3657\" srcset=\"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-content\/uploads\/Eroeffnungsrede_RS_1200x630px-1024x538.jpg 1024w, https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-content\/uploads\/Eroeffnungsrede_RS_1200x630px-300x158.jpg 300w, https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-content\/uploads\/Eroeffnungsrede_RS_1200x630px-768x403.jpg 768w, https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-content\/uploads\/Eroeffnungsrede_RS_1200x630px-1536x806.jpg 1536w, https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-content\/uploads\/Eroeffnungsrede_RS_1200x630px-2048x1075.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Unser digitales Sommerforum ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Konferenz, die uns im November in der Wiener Hofburg pers\u00f6nlich zusammenf\u00fchren wird. Beide Veranstaltungen firmieren unter einem gemeinsamen Titel: Performance that matters \u2013 Leistung, auf die es ankommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie misst man die Leistung eines Unternehmens? Das scheint heute noch komplexer als fr\u00fcher. Zu Druckers Zeiten bezeichnete \u00abLeistung\u00bb einfach die wirtschaftliche Leistung. Drucker betonte, dass ein Unternehmen in wirtschaftlicher Hinsicht erfolgreich sein muss, bevor es Ressourcen f\u00fcr andere Ziele er\u00fcbrigen kann. Allerdings wies er auch darauf hin, dass Unternehmensf\u00fchrung ein moralisches Unterfangen sei: Die Erh\u00f6hung der Gewinnspannenoder die Schaffung von noch mehr Shareholder-Value k\u00f6nne nicht die einzige \u00abraison d&#8217;\u00eatre\u00bb sein \u2013 vor allem wenn man bedenkt, welche Auswirkungen Unternehmen auf Kunden, Arbeitnehmer, Gemeinden und letztlich die Umwelt haben. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Zwei Jahre nach meinem Tod wird sich niemand mehr an mich erinnern.\u201c Das meinte Peter Drucker in einem seinen letzten Lebensjahren zu seiner Frau Doris. So ber\u00fchmt er auch gewesen sein mochte, so sehr war ihm bewusst, dass Erinnerung rasch verblasste. Im ersten Jahr des Druckerforums versprach ich unserer Mentorin und Freundin Doris Drucker daher, dass wir hart daran arbeiten w\u00fcrden, die Erinnerung an Peter Drucker hochzuhalten. Gerade in Zeiten von Krisen und Verwirrung k\u00f6nnen wir so viel von ihm lernen! Und tats\u00e4chlich sind wir darum bem\u00fcht, sein geistiges Erbe zu ehren, indem wir dr\u00e4ngende Managementfragen ernsthaft und<br>tiefgreifend zu analysieren versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Background f\u00fcr das diesj\u00e4hrige Forum liefert die wohlbekannte Abfolge der j\u00fcngsten Krisen \u2013 mit Pandemie, Lockdowns und dem Krieg inder Ukraine. Nicht zu vergessen jene Probleme, die schon viel l\u00e4nger unter der Oberfl\u00e4che k\u00f6cheln: steigende Verschuldung, die Spaltung der Gesellschaft, wachsende Ungleichheiten, eingeschr\u00e4nkte Freiheit und Privatsph\u00e4re oder zunehmende B\u00fcrokratisierung. Jahrelang konnten wir uns durchschummeln \u2013 nun aber droht der Riesencrash. Oft spricht man im Zusammenhang mit dem Nachhall einer Krise von einer \u00abneuen Normalit\u00e4t\u00bb, die sich einstellen w\u00fcrde. Was uns jedoch droht, ist deutlich ernster \u2013 und wesentlich gr\u00f6\u00dfer. Es ist, als ob sich vor unseren Augen eine neue Weltordnung herausbilden: sowohl geopolitisch als auch sozial und wirtschaftlich. Wir sind Zeugen der Geburt einer neuen, anderen Welt \u2013 ein schmerzhafter und gef\u00e4hrlicher Prozess. <\/p>\n\n\n\n<p>Was wir bisher f\u00fcr ein unersch\u00fctterliche Tatsache hielten, wird mit einem Mal obsolet: etwa die Annahme, dass Globalisierung einuneingeschr\u00e4nktes Gut, Inflation leicht zu z\u00e4hmen sei und Zinss\u00e4tze auf Dauer niedrig bleiben w\u00fcrden; dass die effizientesten und robustesten Lieferketten globale seien, dass reife Volkswirtschaften immun w\u00e4ren gegen Nahrungsmittel- oder Energieunsicherheit, dass Gesundheitsversorgung immer effektiver und zug\u00e4nglicher w\u00fcrde, dass Armut \u00fcberall zur\u00fcckgehe und die Gefahr eines Atomkriegs ein f\u00fcr alle Mal gebannt sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Drucker stellte fest, dass die gro\u00dfen Einkommens- und Wohlstandszuw\u00e4chse in der Welt auf die verbesserte Leistung von Organisationen und Institutionen zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen \u2013 zun\u00e4chst im Westen nach der industriellen Revolution und in den letzten Jahrzehnten zunehmend auch in Schwellenund Entwicklungsl\u00e4ndern. Was wir als \u201eManagement\u201c bezeichnen, ist dabei nichts anderes als eine enorme soziale Innovation. Wir vergessen gern, dass die immensen Wohlstandsfortschritte, die wir im Westen in den letzten zwei Jahrhunderten erlebt haben und die uns hochdifferenzierte Bildung, gute Gesundheitsversorgung, Sozialsysteme und Mobilit\u00e4t gebracht haben, nicht allein auf den Fortschritt in Wissenschaft, Technologie und Innovation zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Die neue Sozialtechnologie, das so genannte Management, hat es m\u00f6glich gemacht, in gro\u00dfem Umfang Werte zu schaffen, die das Leben so vieler Menschen verbessert haben. Ein neuer CovidImpfstoff etwa wird niemandem helfen, wenn wir nicht in der Lage sind, ihn in gro\u00dfem Ma\u00dfstab zu produzieren und an diejenigen zu verteilen, die ihn brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten wir viele gute Jahre, was vor allem im Westen zu einer gewissen Selbstgef\u00e4lligkeit und ideologischen Hybris f\u00fchrte. Doch wie Andy Grove von Intel es so treffend feststellte, f\u00fchrt selbstgef\u00e4llige Zufriedenheit mit dem Status Quo geradewegs in den Untergang. Was wir in der Zeit nach der industriellen Revolution aufgebaut haben, ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit: Allerdings d\u00fcrfen wir uns nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern m\u00fcssen auf Innovation und Erneuerung setzen, um auch in schwierigen Zeiten erfolgreich zu sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Gutes Management besteht zu einem gro\u00dfen Teil darin, Priorit\u00e4ten zu identifizieren. Und es werden nicht jene von gestern sein! Was wir \u00fcber Energie, Ern\u00e4hrung, Klima, Effizienz, Inflation, Arbeit und Management dachten, wird neu bewertet werden m\u00fcssen. M\u00f6glicherweise werden wir auch Kompromisse eingehen, die fr\u00fcher nicht denkbar waren: Wirtschaft versus Soziales versus Umwelt, kurzfristig versus langfristig \u2013 wenn etwa eine Hungersnot droht, kann es sinnvoll sein, die Angst vor gentechnisch ver\u00e4nderten Lebensmitteln zu \u00fcberwinden. Einer der \u00abpositiven\u00bb Nebeneffekte der Megakrise k\u00f6nnte sein, dass wir uns klarer dar\u00fcber werden, was f\u00fcr die Menschheit wirklich z\u00e4hlt. Von der politischen F\u00fchrung \u00fcber die Manager bis hin zu den Akteuren der Zivilgesellschaft: S\u00e4mtliche Akteure werden ihre Agenda \u00fcberdenken m\u00fcssen. Mehr vom Immergleichen ist nicht (mehr) gut genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese kritische Selbstbetrachtung gilt auch f\u00fcr die Praxis des Managements selbst: Wie viel vom Management des 20. Jahrhunderts ist heute noch g\u00fcltig? Wenn Druckers Postulat immer noch aktuell ist \u2013 n\u00e4mlich, dass die Aufgabe des Managements darin besteht, die richtige Balance zwischen Kontinuit\u00e4t und Wandel zu finden \u2013 wie entscheiden wir dann, was bleibt und was geht?<\/p>\n\n\n\n<p>Jamie Dimon von JP Morgan sagte einen drohenden wirtschaftlichen Wirbelsturm voraus. Gleichzeitig warnte er davor, sich zu verstecken und zu versuchen, die Krise auszusitzen: Wir m\u00fcssten uns der Herausforderung stellen. Politiker werden schnell an ihre Grenzen sto\u00dfen,wenn es darum geht, Gelder auszusch\u00fctten, die sie nicht haben. Das \u00dcberleben, geschweige denn der Fortschritt, wird von denjenigen abh\u00e4ngen, die bereit sind, die Herausforderungmit ganzem Einsatz anzunehmen und zu stemmen: Unternehmer, Innovatoren, Manager und Beamte, die durch ein gemeinsames Ziel verbunden sind. Schlie\u00dflich geht es um nicht weniger als darum, eine lebenswerte Welt f\u00fcr die Generationen nach uns zu schaffen. Ein Weg, der nur frei von Ideologie beschritten werden kann. Und mit einem starken Sinn f\u00fcr das Machbare.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist auch die Dynamik, die wir mit dem Druckerforum entfesseln wollen. Falls Sie sich fragen, welchen Einfluss ein Einzelner haben kann, so erinnern Sie sich nur an die Komplexit\u00e4tstheorie und was sie \u00fcber das<br>Handeln lehrt: Bekanntlich kann der Fl\u00fcgelschlag eines Schmetterlings einen Luftstrom erzeugen, der stetig an Kraft gewinnt und schlie\u00dflich zueinem Sturm irgendwo auf der Welt wird. Lassen Sie uns beginnen, unsere eigenen kleinen und gro\u00dfen Fl\u00fcgelschl\u00e4ge zu erzeugen, um die Welt zum Besseren zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche uns allen eine gro\u00dfartige Konferenz und eine fundierte und ernsthafte Diskussion \u00fcber Leistung, auf die es ankommt \u2013 f\u00fcr den Einzelnen, f\u00fcr das Team, die Organisation, das \u00d6kosystem und die Gesellschaft insgesamt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser digitales Sommerforum ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Konferenz, die uns im November in der Wiener Hofburg pers\u00f6nlich zusammenf\u00fchren wird. 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