{"id":3295,"date":"2021-06-22T13:31:38","date_gmt":"2021-06-22T11:31:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/?p=3295"},"modified":"2021-08-20T15:53:29","modified_gmt":"2021-08-20T13:53:29","slug":"mussen-manager-gebildet-sein-gedankenanstose-german-edition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/mussen-manager-gebildet-sein-gedankenanstose-german-edition\/","title":{"rendered":"M\u00fcssen Manager gebildet sein? &#8211; Gedankenanst\u00f6\u00dfe (German edition)<br>By Peter Paschek"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eThe corporation is not only an economic tool , but as a social institution it is also a political tool\u201c.<br>Peter F. Drucker<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch w\u00fc\u00dfte nicht, wessen Geist ausgebreiteter w\u00e4re, ausgebreiteter sein m\u00fc\u00dfte, als der Geist eines echten Kaufmanns\u201c.<br>Johann W. Goethe<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"538\" src=\"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-content\/uploads\/blog_pfdrucker_1200x630px-1024x538.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3243\" srcset=\"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-content\/uploads\/blog_pfdrucker_1200x630px-1024x538.jpg 1024w, https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-content\/uploads\/blog_pfdrucker_1200x630px-300x158.jpg 300w, https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-content\/uploads\/blog_pfdrucker_1200x630px-768x403.jpg 768w, https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-content\/uploads\/blog_pfdrucker_1200x630px-1536x806.jpg 1536w, https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-content\/uploads\/blog_pfdrucker_1200x630px-2048x1075.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>An die Frage &#8211; M\u00fcssen Manager gebildet sein? &#8211; schlie\u00dft sich logischerweise die Frage an &#8211; Wenn ja, wie?<\/p>\n\n\n\n<p>Um es vorweg zu nehmen: ich vertrete nicht die Auffassung, da\u00df Manager ungebildet sind. In meiner bisher mehr als 40 Jahre w\u00e4hrenden Beratert\u00e4tigkeit bin ich sicherlich einer Reihe von Managern begegnet, die umfassend gebildet waren, im Sinne einer klassischen humanistischen Bildung. Diese wurde aber nicht als Teil zur Reflexion der&nbsp;beruflichen Aufgaben verstanden, sondern diente vorwiegend der eigenen Mu\u00dfe, war also mehr Ornament.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem aber, das die gro\u00dfe Mehrheit der Manager betrifft ist nicht Unbildung, sondern einseitige Bildung, d.h. eine Bildung, ausschlie\u00dflich f\u00fcr einen, wenn auch zentralen Bereich der beruflichen T\u00e4tigkeit. Nun lie\u00dfe sich mit Peter Drucker entgegnen, die oberste gesellschaftliche Verantwortung des Wirtschaftsmanagers sei der dauerhafte wirtschaftliche Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Argument gegen die Problematisierung zu einseitiger Managementbildung liefert auf den ersten Blick eine andere Aussage von Peter Drucker n\u00e4mlich, da\u00df man&nbsp;in der beruflichen Praxis in einer Wissensgesellschaft nur das&nbsp;als Wissen bezeichnen kann, das Anwendung findet, was also von Nutzen ist. Dies bedeutet die Managementbildung, also die Aus- und Weiterbildung mu\u00df dem Manager Wissen vermitteln, das er f\u00fcr seine beruflichen Aufgaben nutzen kann.<\/p>\n\n\n\n<blockquote style=\"width: 55%; color: #000000; background: #ffffff; float: left; margin: 0 0 0 1px;\" data-darkreader-inline-color=\"\" data-darkreader-inline-bgcolor=\"\" data-darkreader-inline-bgimage=\"\"><h2><span style=\"color: #00ccff;\" data-darkreader-inline-color=\"\"><strong>A Day of Drucker 2021<\/strong><\/span><\/h2><div class=\"sidebar-contents\">\n<p><span style=\"color: #000000;\" data-darkreader-inline-color=\"\">This article is one in the \u201cshape the debate\u201d series relating to <span style=\"color: #00ccff;\" data-darkreader-inline-color=\"\"><a style=\"color: #00ccff;\" href=https:\/\/www.druckerforum.org\/a-day-of-drucker-2021\/\" data-darkreader-inline-color=\"\">A Day of Drucker<\/a><\/span> on June 30, 2021.<br><strong><\/strong><\/span><\/p>\n<\/div><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Aber was sind die beruflichen Aufgaben, die beruflichen Herausforderungen, denen sich der Wirtschaftsmanager in unserer Wissensgesellschaft zu stellen hat. Auch hierzu liefert Peter Drucker eine eindeutige Antwort: \u201eThe demand has arisen that Managers and especially business managers make concern central to the conduct of business itself &#8230; and this means that the manager of any institution (particularly of business) has to think through what the policy should be in the general interest&nbsp;and to provide social cohesion &#8230; This demand requires new thinking and new action on the part of the Manager. It can not be handled in a tradional manner. It cannot be handled by public relations\u201c. (1973).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00e4hnlich klare Ansage liefert 1954! Gustav Stein vom Bundesverband der Deutschen Industrie in seinem Beitrag f\u00fcr die Wochenzeitung \u2013 Die ZEIT: \u201eGlaubt heute wirklich jemand, da\u00df es noch mit einer guten Bilanz und einer rationellen Produktion getan ist, oder es sei gleichg\u00fcltig, ob die Fabriken einem Tyrannen oder der pers\u00f6nlichen Freiheit dienen? Somit geht es entscheidend um das Vorbild, um das Vorangehen in die Politik. Eine schwierige Aufgabe gewiss, aber eine unvermeidliche, wenn \u00fcberhaupt das Zusammenleben freier Menschen erstrebt wird\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen einer repr\u00e4sentativen Studie befragte das Institut f\u00fcr Demokratieforschung der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen zwischen September 2013 und August 2014 in circa 250 Gespr\u00e4chsstunden 160 weibliche und m\u00e4nnliche Topmanager in Deutschland zu ihrem Politik- und Gesellschaftsbild und ihren Wertvorstellungen. In einem Buch mit dem Titel \u2013 Sprachlose Elite? \u2013 haben die Verantwortlichen der Studie, deren Ergebnisse umfassend dargelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die f\u00fcr den in den vorliegenden Beitrag wesentlichen Aussagen der Erhebung, lassen sich wie folgt zusammenfassen:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Der \u00fcberwiegende Teil der Befragten sieht sich \u00fcberhaupt nicht in den politischen Prozess involviert. Man \u00fcberl\u00e4sst es den Verb\u00e4nden oder (sofern vorhanden) den PR-Abteilungen, im Sinne der Unternehmensbed\u00fcrfnisse ggf. Einfluss auf Gesetzgebungsverfahren zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Der \u00fcberwiegende Teil der Befragten \u00e4u\u00dferte ein gro\u00dfes Unverst\u00e4ndnis dar\u00fcber, da\u00df Politiker nicht einfach \u201eeffizienter\u201c arbeiten und durchregierten. Der politische Alltag mit den Praktiken des Aushandelns und Kompromisse Schlie\u00dfens und der Ber\u00fccksichtigung von Vielfalt fand so gut wie keine Anerkennung.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Der \u00fcberwiegende Teil der Befragten sieht die Aufgabe in der Schaffung von Rahmenbedingungen, d.h. die Politik wird verstanden als eine Art Dienstleister f\u00fcr eine funktionierende Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Lesen dieser Studie fiel mir ein Buch von Peter Drucker ein, das er schreiben wollte, aber zu seinem gr\u00f6\u00dften Bedauern nie geschrieben hat. Der Titel \u2013 How to organize ignorance!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Folge dieses Nicht-Verh\u00e4ltnisses zur Politik ist eine defensive bzw. keine Teilnahme an der Gestaltung des politischen Diskurses der Zivilgesellschaft, so auch, wenn es dabei um die eigene gesellschaftliche Leistung geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im April diesen Jahres erschien in der Neuen Z\u00fcricher Zeitung ein Beitrag unter den Titel: Unternehmen h\u00f6rt die Signale! \u2013 Darin hei\u00dft es: \u201eDie Corona Krise hat vielen Wissenschaftlern eine B\u00fchne geboten, um zu zeigen wie n\u00fctzlich ihre Zunft ist. Ihre Notwendigkeit haben zwar genauso die Unternehmen unter Beweis gestellt, die in dieser Zeit die Versorgung sicherstellten, Vakzine entwickelten und produzierten oder die Betriebe mit Krediten versorgten. Doch eine vergleichbare Wertsch\u00e4tzung wie den Wissenschaftlern wurde den Firmen nicht zuteil.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Abschluss fordert der Verfasser zu Recht die Unternehmen, dazu auf ihre Leistungen f\u00fcr die Gesellschaft offensiv in eine \u00d6ffentlichkeit zu tragen, \u201edie die Unternehmen oft nur noch im Zusammenhang mit Skandalen wahrnimmt\u201c. Es reiche l\u00e4ngst nicht mehr, \u201esich nur dann ins Zeug zu legen, wenn gerade eine umstrittene Abstimmung ansteht\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Indem die Wirtschaftsmanager die Debatten in den \u00d6ffentlichkeiten \u201alinks\u2018 liegen lassen, geben sie dieses Feld frei f\u00fcr jene gesellschaftliche Gruppen, die nicht aufh\u00f6ren, mit dem Bild des b\u00f6sen, gewinnmaximierenden Kapitalisten, offen oder camoufliert ihre Illusionskonzepte von der Gemeinschaft der Gleichen zu begr\u00fcnden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Philosoph und \u00d6konom Karl Homann hat in diesem Zusammenhang die gesellschaftliche Verantwortung des Managers im Sinne von Peter Drucker konkretisiert. Neben Handlungs- und Ordnungsverantwortung nennt Homann die Diskursverantwortung, als die Verantwortung des Managers gestaltend in die \u00f6ffentlichen Diskussionen einzugreifen. Es gilt \u00fcber positive und normative Zusammenh\u00e4nge der modernen Welt aufzukl\u00e4ren und moralische Blockaden aufzubrechen sowie darum, optimistische oder pessimistische Geschichtskonstruktionen, die unser Denken beeinflussen ad absurdum zu f\u00fchren,<\/p>\n\n\n\n<p>Um der Diskursverantwortung gerecht zu werden, so Homann weiter, m\u00fcssen die Wirtschaftsmanager, die hierzu notwendigen Kompetenzen erwerben. Damit r\u00fcckt das Thema Bildung in den Fokus.<\/p>\n\n\n\n<p>1955 warnte der Philosoph und Soziologe Helmuth Plessner \u201eDer ungebildete K\u00f6nner, der Funktion\u00e4r seines Fachs, der reine Spezialist schiebt sich in den Vordergrund, das legitime Produkt einer zur Fachschule werdenden Universit\u00e4t\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Beinahe ein halbes Jahrhundert fr\u00fcher, sagt Max Weber \u00e4hnliches Unheil voraus und schrieb mit der von ihm gewohnten Sch\u00e4rfe: \u201eNiemand wei\u00df noch, wer k\u00fcnftig in jenem Geh\u00e4use wohnen wird \u2026 eine m\u00e4chtige Wiedergeburt alter Gedanken und Ideale &#8230; oder aber mechanisierte Versteinerung, mit einer Art von krampfhaften Sich-wichtig-nehmen verbr\u00e4mt. Dann allerdings k\u00f6nnte f\u00fcr die \u201aletzten\u2018 Menschen das Wort zur Wahrheit werden:<\/p>\n\n\n\n<p>Fachmenschen ohne Geist, Genussmenschen ohne Herz; dies Nichts bildet sich ein, eine nie vorher erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut hundert Jahre nach Max Webers d\u00fcsterer Vorahnung zieht der \u00f6sterreichische Philosoph Konrad Liessmann eine Bilanz zur Realit\u00e4t in der Wissensgesellschaft. Sein Fazit best\u00e4tigt Weber und Plessner.<\/p>\n\n\n\n<p>Eklatante Bildungsl\u00fccken bei einfachsten historischen und kulturgeschichtlichen Fragen kennzeichnen \u2013 so Liessmann die Unbildung der Eliten in der modernen Gesellschaft. Zeitgleich, so f\u00e4hrt er fort, lassen&nbsp;sich die Universit\u00e4ten&nbsp;als Bildungsinstitutionen, \u201edie letzten Ladenh\u00fcter der Leadership Industrie als den neuesten Schrei verkaufen &#8230; da\u00df von der Wissenschaft nicht mehr geblieben ist als deren mitunter bis zur Karikatur aufgeblasenen Gestik\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das was Liessmann aufzeigt, entspricht sicherlich Tendenzen in der gesellschaftlichen Realit\u00e4t unserer Zeit. Dass er dabei \u00fcberpointiert, um bestimmte problematische Entwicklungen auf den Punkt zu bringen, ist sein gutes Recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Was aber bei Liessmann, wie bei vielen seiner Kollegen fehlt, ist das richtungsweisende Umrei\u00dfen praktischer L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge. Er bleibt zwar l\u00e4ngst nicht so nebul\u00f6s wie Peter Sloterdijk, der Meister des<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eGelehrtengeschw\u00e4tz\u201c (Max Weber), doch seine Aufforderung zu einer neuen Aufkl\u00e4rung liefert wenig Konkretes und ruft die These wach, da\u00df die Probleme in der Philosophie zwar stets gestellt werden, gel\u00f6st aber werden sie von ihr eigentlich nie.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine der Ausnahmen ist das Werk von Peter Drucker. Bestimmt vom Ethos der engagierten Distanz, sieht es Drucker als seine Verantwortung als Intellektueller richtungsweisend auf das Gesagte und das Handeln in der Gesellschaft einzuwirken. Diese Verantwortung zur verantwortlichen Meinungsbildung \u2013 so Drucker \u2013 tragen alle Vertreter von gesellschaftlichen Gruppen, die Macht oder Einfluss auf die Strukturen einer Gesellschaft und die diese tragenden Normen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Vortrag 1987 bezeichnet Drucker Management als \u201eWorkmanship\u201c, das hei\u00dft als handwerkliches K\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Management, so Drucker weiter, ist aber nicht nur auf handwerkliche Kunst beschr\u00e4nkt, da es nicht nur mit Dingen zu tun hat, sondern vor allem mit Menschen. Daher, so folgert Drucker, ist Management sowohl \u201eempirical skills and indeed a bunch of tricks and rules over the thumb\u201c aber auch \u201ein itself a liberal art.\u201c Das hei\u00dft f\u00fcr Drucker, da\u00df die Geisteswissenschaften oder Humanities ein unerl\u00e4sslicher Unterbau f\u00fcr die Managementbildung sind. Vor allem sind dies die Humanities, die den Menschen in seiner Eigenschaft als Mitmensch untersuchen, also insbesondere die praktische Philosophie, die Soziologie, die Geschichte der Kulturen, die philosophische Anthropologie.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum? \u2013 Ich komme zur\u00fcck auf die Definition von Karl Homann \u00fcber die Diskursverantwortung als eine gesellschaftliche Verantwortung der Manager, \u201eas leaders and integrators in pluralist society in addition to managing their company\u2018s performance\u201c (Drucker) einen offenen und offensiven Dialog mit der Zivilgesellschaft zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bedeutet dies f\u00fcr die Managementbildung?<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Drucker forderte im besagten Vortrag von 1987 die Integration der Humanities in die Managementbildung. Der britische Sozialhistoriker John Hendry hat dies wie folgt zusammengefa\u00dft auf den Punkt gebracht \u201eManagers probably need financial and accounting, marketing and strategic skills more today than they ever have done. But they also&nbsp;need something else. They need grounding in the messy realities of the human condition, an understanding of politics and culture, and an awareness of the historical forces that have shaped the world in which we live\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch 2006 schrieb Karl Homann, da\u00df die Manager auf die \u00dcbernahme von Diskursverantwortung weder in ihrer Aus- noch Weiterbildung vorbereitet sind. Das sollte aber, so Homann weiter, \u201ekein Argument daf\u00fcr sein, diese Aufgabe zur\u00fcckzuweisen; es ist vielmehr ein starkes Argument daf\u00fcr, die Ausbildung entsprechend zu reformieren\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Zehn Jahre nach diesem Statement zog ich eine Bilanz zum Stand der Integration der Humanities in die Managementbildung unter Verwendung eines Zitats des Philosophen J\u00fcrgen Mittelstrass in einem \u00e4hnlichen Zusammenhang: \u201eDas Bewusstsein ist da, Theorie und Praxis hinken noch hinterher\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sind heute, gut 5 Jahre nach dieser Bemerkung, Theorie aber auch die Praxis \u201ein Gang\u201c gekommen?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem eindeutigen Ja kann ich diese Frage in Bezug auf die TU M\u00fcnchen beantworten, an der ich seit einigen Jahren als Lehrbeauftragter arbeite und die zu Recht den Beinamen The entrepreneurial University tr\u00e4gt. Die Lehrprogramme sind dort nicht von starren Strukturen gekennzeichnet, sondern \u00fcberlassen den Studenten, deren Initiative vorausgesetzt, viel Raum f\u00fcr Gestaltung. Das gilt auch f\u00fcr die inhaltliche und formale Integration&nbsp;der Humanities in die Studieng\u00e4nge, das bedeutet, da\u00df der Erwerb von Studienleistungen, erbracht zum Beispiel an der Hochschule f\u00fcr Politik oder an der Hochschule f\u00fcr Philosophie, an der TU anrechenbar ist. Diese M\u00f6glichkeiten beruhen auf Entscheidungen, die zum Teil schon vor zwanzig Jahren vorausschauend an der TU getroffen wurden und werden zunehmend bei den Studenten in Anspruch genommen. Diesen wachsenden Zuspruch erlebe ich auch in meinen Seminaren, in denen das Werk Peter Druckers im Mittepunkt steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Meilenstein geschaffen von der TU M\u00fcnchen, ist die Gr\u00fcndung des \u2013 Institute for life long Learning \u2013 Anfang 2021, das sich eben nicht nur auf die Wirtschaftswissenschaften beschr\u00e4nkt, sondern alle Fakult\u00e4ten umfasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Zweifel lassen&nbsp;diese Entwicklungen f\u00fcr die Zukunft hoffen. Doch welche Initiativen ergreifen gestandene Manager heutzutage f\u00fcr Ihre Weiterbildung?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Frage er\u00f6rterte ich k\u00fcrzlich mit einem meiner engsten Freunde, der als Unternehmer und Investor beinahe w\u00f6chentlich im Flugzeug sitzt. Bei unserer Unterredung las ich ihm aus einem ZEIT \u2013 Artikel des Soziologen und Philosophen Christian von Krockow aus dem Jahre 1980 vor. \u00dcberschrieben war dieser mit: Keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit \u2013 und erz\u00e4hlt von Begegnungen mit F\u00fchrungskr\u00e4ften in der 1. Klasse des Intercitys. Insbesondere folgende Schlussbemerkung von Krockows stellte ich meinem Freund zur Diskussion: \u201eBleibt nur die Frage: Wie sieht eigentlich die Zukunft einer Gesellschaft aus, in der die Verantwortlichen und F\u00fchrenden keinen Raum mehr zur Besinnung, keine Zeit zum Nach- und Vordenken haben? Um zum Anfang und in den Intercity zur\u00fcckzukehren: Was die Herren da lesen, ist nur selten die FAZ \u2013 und leider auch kaum DIE ZEIT. Es ist die Bild-Zeitung\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Daraufhin fragte ich meinen Freund: \u201eWas erlebst Du auf Deinen vielen Reisen in der Business oder First Class? Ich habe das Gef\u00fchl, es hat sich nichts ge\u00e4ndert! Was meinst Du\u201c? Er antwortete: \u201eKeine Zeit gilt auch heute und der immer schon bevorzugte Lesestoff wie die Bunte oder Gala, also Print Crap, wird heute aus dem kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellten Online-Angebot pr\u00e4feriert heruntergeladen. Vom Print Crap zum Online Crap. Hinzu kommen noch die viel genutzten sogenannten social media wie Twitter oder Facebook, also zus\u00e4tzlicher Online Crap. \u2013 Nein! Es hat sich nichts ge\u00e4ndert! Manchmal habe ich sogar den Eindruck, es ist ein St\u00fcck schlimmer geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Abschluss m\u00f6chte ich noch einige Anmerkungen vor allem zu den M\u00f6glichkeiten und Grenzen von Bildung machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Theodor W. Adorno hatte recht, als er sagte, Bildung allein macht noch keine vern\u00fcnftige Gesellschaft, aber ohne Bildung ist keine vern\u00fcnftige Gesellschaft m\u00f6glich. Dem ist hinzuzuf\u00fcgen, da\u00df intellektuelle Bildung und sittliche Bildung nicht auseinander hervorgehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch ein weiteres: es geht nicht darum durch Bildung die Manager zu neuen Staatsm\u00e4nnern zu erziehen, sondern vielmehr, um die M\u00f6glichkeit zu schaffen, Entscheidungen effektiver dahingehend&nbsp;zu reflektieren, ob das Anstreben des \u00f6konomischen Maximums sinnvoll ist oder das optimieren unter Einbeziehung der politischen Ungewissheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Forderungen an das ethische Verhalten sollten weder von einem zu optimistischen noch von einem zu pessimistischen Menschenbild geleitet sein. Es geht&nbsp;\u2013 in den Worten Helmuth Plessners \u2013 um eine Ethik des Ausgleichs f\u00fcr die es hei\u00dft: \u201eMit der Wirklichkeit rechnen hei\u00dft mit dem Teufel rechnen und mit dem Teufel rechnen ohne ihm zu verfallen, ohne zu entarten &#8230; ist die hohe Kunst einer Ethik des Ausgleichs\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das klingt anspruchslos im Vergleich zu den Forderungen, die heute nach der Wiederentdeckung \u2013 der Human Side of Enterprise \u2013 in vielen Managementpublikationen, Seminaren und Symposien propagiert werden. Es kommt aber darauf an, da\u00df der Manager in dem \u201eteuflischen\u201c Spannungsfeld, in dem er seinem Beruf nachgeht, wie Peter Drucker sagt, weder durch seine Taten noch Worte! wissentlich keinen Schaden zuf\u00fcgt und das ist in der Tat eine hohe Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p>Bildung ist hierf\u00fcr sicherlich kein Allheilmittel, aber sie kann dabei mithelfen, da\u00df das gute Herz eines Menschen durch einen reflektierenden Kopf geleitet wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>About the Author: <\/strong><br><em><strong>Peter Paschek,<\/strong> Management consultant since 40 years, shared a deep friendship with Peter Drucker for more than 20 years. His book: Peter F. Drucker \u2013 Erinnerungen an einen konservativ christlichen Anarchisten \u2013 was published in 2020.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>This article is one in the \u201cshape the debate\u201d series relating to <a href=\"https:\/\/www.druckerforum.org\/a-day-of-drucker-2021\/&quot;\">A Day of Drucker<\/a> on June 30, 2021.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An die Frage &#8211; M\u00fcssen Manager gebildet sein? &#8211; schlie\u00dft sich logischerweise die Frage an &#8211; Wenn ja, wie?<a href=\"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/?p=3295\">[\u2026]<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3251,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":""},"categories":[301],"tags":[300,302],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3295"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3295"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3295\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3354,"href":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3295\/revisions\/3354"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3251"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3295"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3295"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.druckerforum.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3295"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}